Sachverständigenbüro von den Busch

Ertragswertverfahren: Rechenbeispiel eines Wohn- und Geschäftshauses

ERTRAGSWERTVERFAHREN NACH §§ 27–34 IMMOWERTV

Das Ertragswertverfahren richtet den Blick auf die marktüblich erzielbaren Erträge. Das anonymisierte Beispiel eines Wohn- und Geschäftshauses zeigt die vollständige Berechnung vom Rohertrag bis zum objektspezifisch angepassten Ertragswert.

DIN EN ISO/IEC 17024Praxisbeispiel anonymisiertRechner ohne Datenübertragung

Wann ist das Ertragswertverfahren maßgeblich?

Das Verfahren wird regelmäßig eingesetzt, wenn die Ertragserzielung das Marktverhalten prägt – etwa bei Mehrfamilienhäusern, Wohn- und Geschäftshäusern sowie vielen Gewerbeimmobilien. Nach § 27 ImmoWertV ist von marktüblich erzielbaren Erträgen auszugehen. Tatsächliche Mieten werden deshalb auf Nachhaltigkeit und Marktüblichkeit geprüft.

RohertragBewirtschaftungskosten=ReinertragBodenwertverzinsung=Gebäudereinertrag

ANONYMISIERTES PRAXISBEISPIEL

Wohn- und Geschäftshaus mit gemischten Erträgen

4.294 m²Grundstück
1.034,73 m²Wohn- und Gewerbefläche
28 JahreRestnutzungsdauer
4,50 %Liegenschaftszinssatz

Der Jahresrohertrag setzt sich aus Wohn-, Gewerbe- und Stellplatzerträgen zusammen. Nach Abzug der nicht umlagefähigen Bewirtschaftungskosten und Hinzurechnung sonstiger Reinerträge verbleiben 87.451,90 € Reinertrag.

Marktüblicher Jahresrohertrag113.650,45 €
Bewirtschaftungskosten− 29.625,63 €
Sonstige Reinerträge+ 3.427,08 €
Reinertrag des Grundstücks87.451,90 €
Bodenwertverzinsung: 322.050 € × 4,50 %− 14.492,25 €
Gebäudereinertrag72.959,65 €
Barwertfaktor: 28 Jahre / 4,50 %× 15,7429
Ertragswert der baulichen Anlagen1.148.594,57 €
Bodenwert+ 322.050,00 €
Besondere objektspezifische Merkmale+ 15.000,00 €
Bauschäden und Baumängel− 20.400,00 €
Ertragswert1.465.244,57 €

Praxisbasis: anonymisiertes VDB-Verkehrswertgutachten eines Wohn- und Geschäftshauses, Bewertungsstichtag 01.01.2023. Die gesetzlichen Verweise wurden auf die aktuelle ImmoWertV-Systematik übertragen.

LIVE-SIMULATION IM BROWSER

Ertragswertrechner mit Liegenschaftszins-Simulation

Ändern Sie den Liegenschaftszinssatz per Schieberegler. Der Rechner zeigt sofort, wie sich Vervielfältiger und Ertragswert verändern.

Reinertrag
Bodenwertverzinsung
Gebäudereinertrag
Vervielfältiger
Ertragswert der baulichen Anlagen
Ertragswert einschließlich Bodenwert und boG

WAS-WÄRE-WENN-ANALYSE

Szenarien im Vergleich

Die Szenarien werden aus den aktuellen Eingaben berechnet.

Hinweis: Die Berechnung dient ausschließlich der fachlichen Veranschaulichung und ersten Orientierung. Sie ersetzt keine Prüfung der Unterlagen, keine objektspezifische Wertermittlung und keine steuerliche oder rechtliche Beratung. Eingaben werden ausschließlich im Browser verarbeitet und nicht übertragen.

Warum das Ergebnis nicht allein aus der Formel folgt

Marktübliche Erträge

Überhöhte, ungewöhnlich niedrige oder nur kurzfristig erzielbare Mieten dürfen nicht ungeprüft fortgeschrieben werden.

Bewirtschaftungskosten

Verwaltung, Instandhaltung, Mietausfallwagnis und nicht umlagefähige Betriebskosten hängen von Nutzung und Objekt ab.

Liegenschaftszinssatz

Der Zinssatz ist eine Marktdaten-Größe. Er muss zur Objektart, Lage, Restnutzungsdauer und zum Modell des Gutachterausschusses passen.

Objektbesonderheiten

Baumängel, Rechte, Mehr- oder Mindererträge und weitere boG werden erst nach der Marktanpassung berücksichtigt.

Rechtsgrundlage

§ 27 ImmoWertV – Grundlagen des Ertragswertverfahrens sowie §§ 28 bis 34 ImmoWertV.

HÄUFIGE FRAGEN

Fragen zum Rechenweg

Wird die tatsächliche Miete immer übernommen?

Nein. Maßgeblich sind grundsätzlich die marktüblich erzielbaren Erträge. Vertragsmieten müssen auf Nachhaltigkeit, rechtliche Bindungen und Abweichungen vom Markt geprüft werden.

Was ist die Bodenwertverzinsung?

Der Bodenwert wird mit dem objektspezifisch angepassten Liegenschaftszinssatz verzinst. Dieser Anteil wird vom Reinertrag abgezogen, bevor der Gebäudereinertrag kapitalisiert wird.

Woher kommt der Barwertfaktor?

Der Barwertfaktor ergibt sich aus Liegenschaftszinssatz und Restnutzungsdauer. Er bildet den heutigen Wert der während der Restnutzungsdauer erwarteten Gebäudereinerträge ab.

Warum weicht der Ertragswert vom Kaufpreisfaktor ab?

Ein einfacher Kaufpreisfaktor berücksichtigt weder Bewirtschaftungskosten noch Bodenwertverzinsung und Restnutzungsdauer. Er dient eher der überschlägigen Plausibilisierung.

OBJEKTSPEZIFISCHE PRÜFUNG

Aus dem Rechenwert wird erst durch eine sachverständige Einordnung ein belastbarer Verkehrswert

Wir prüfen Unterlagen, Lage, Zustand, Rechte und Marktdaten und erläutern die maßgeblichen Wertansätze nachvollziehbar.